In der internationalen Forschung zur Übersetzung von Tourismustexten ist oft die kulturelle Anpassung als der Stolperstein per se hervorgehoben worden. Man hat darauf hingewiesen, dass Tourismustexte viel mehr angepasst werden müssten, als dies geschieht, um ihr volles Potential als Marketingtexte zu erreichen. Dabei sind allerdings selten Tourismusübersetzungen zwischen so nah verwandten Kulturen und Sprachen wie dem Deutschen und dem Schwedischen in Betracht gezogen worden. Im vorliegenden Artikel werden deutsche Übersetzungen von aktuellen (2024) schwedischen Tourismustexten von regionalen Tourismusverbänden und größeren Destinationszielen analysiert, mit Fokus auf deren kulturelle Anpassung in Form von Explizitierungen (meist vorangestellten erklärenden Epitheten). Es wurde festgestellt, dass die Übersetzungen als zentrale Texte in der Tourismusbranche sehr kompetent ausgeführt worden waren, dass aber die kulturelle Anpassung bisweilen in Frage gestellt werden könnte. So wurden Namenselemente wie „-berget“ und „-gatan“ oft ohne Explizitierung oder Bildhinweis übernommen, und die für Skandinavientourismus als Schlüsselwörter zu betrachtenden „Fjäll“ und „Stuga“ oft unspezifiziert benutzt. Die Explizitierung als zentrale Komponente bei Übersetzungen wurde aber so häufig eingesetzt, dass es offentsichtlich war, dass LeserInnen der deutschen Übersetzung dann und wann mehr Information bekamen, als LeserInnen des schwedischen Originals, die in der Region nicht heimisch sind.